Sitten&Namenstage

ENJOWDEN / Enjowtag (Johannistag) - 24. Juni

Dieses uralte Fest galt als Wendepunkt im Festkalender der bulgarischen Mythologie. Das Fest hat mit der Sommersonnenwende zu tun, wenn der Tag am längsten und die Nacht – am kürzesten ist. Johannistag war das Lieblingsfest von jung und alt. Man glaubte, dass am Johannistag der Winter seine Reise zu den Menschen begann. Eine alte Überlieferung erzählt, dass Enjo am Johannistag seinen Pelzmantel anzog und sich auf den Weg machte, Schnee zu suchen.


Am Johannistag stand man früh auf, um zu sehen, wie sich die Sonne dreimal wendet. Wer es an diesem Morgen schaffte, sich dreimal im frischen Tau zu wenden, der sollte bis zum nächsten Johannistag gesund bleiben.

Eine alte Legende erzählt über Enjo und Stana, die unbedingt heiraten wollten. Es war aber so, dass der Vater von Stana es anders wollte und hatte sie einem anderen in einem anderen Dorf versprochen. Die Hochzeit nahte, die Brautwerber kamen, um Stana mitzunehmen und das Mädchen musste gehen. Als sie jedoch die große Brücke über dem Tundschafluss erreichten, nahm Stana den Brautschleier ab und sprang in den Fluss.

Als Enjo es erfahren hat, kam er nicht zur Ruhe. Er legte sich krank und blieb neun
Jahre lang im Bett. In all den Jahren regnete es im Dorf nicht. Der Fluss trocknete aus und alle Lebewesen waren von der Dürre bedroht. Am zehnten Jahr, seit Enjo krank lag,
bastelte seine Schwester eine Pupe für ihn, zog sie in weißen Kleidern an und sagte zu
Enjo: „Schau, Enjo, steh auf, Stana ist gekommen, um deine Frau zu werden!“ Der
arme Bursche machte die Augen auf, lächelte und starb.

Stürmische Winde kamen auf, dichter Regen durchnässte die Felder. Die Pflanzen grünten, die Tiere gingen auf die Weide und die Verliebten sangen Liebeslieder“. Von da an bastelten die jungen Mädchen am Johannistag eine Puppe, die sie wie eine Braut ankleideten. Am Johannistag nahmen die Reigentänze kein Ende.