Sitten&Namenstage

HEILIGE WOCHE ( KARWOCHE) – bewegliches Datum

Die Heilige Woche ist die letzte Woche der Fastenzeit, die Woche vor dem Osternsonntag. Abendmahl, Kreuzestod und Auferstehung Jesu gehören eng zusammen. Daher feierte man drei Tage von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn ab Gründonnerstag. In der christlichen Kirche werden in der Karwoche traditionell tägliche Andachten - "Passionsandachten" - abgehalten

Heiliger Dienstag
Am Heiligen Dienstag gingen junge Mädchen und frisch verheirateten Frauen zum Brunnen, um „stilles“ Wasser zu holen. Das stille Wasser ist frisch und aus drei verschiedenen Quellen gemischt. Während diesen Brauchs durften die Mädchen und Bräute nicht reden. So glaubte man, dass die reinigenden Kräfte des Wassers am stärksten wirken. Am Abend mussten sich die jungen Frauen die Haare waschen, wobei sie auch „stilles“ Wasser im Krug mischten. Zum Abschluss gingen die Lazarusmädchen an den Fluss, nahmen ihre Blumenkränze ab und ließen sie ins Wasser. Das Mädchen, dessen Blumenkranz am schnellsten davon schwimmt, sollte als erstes im Jahr unter die Haube gehen.

Heiliger Mittwoch
Am Heiligen Mittwoch durften die Frauen keine Frauenarbeit verrichten – sie durften nicht nähen, nicht weben, nicht stricken. Die Kinder gingen auf die Wiese und pflückten Geraniumblätter. Sie dienten als Farbe für die Ostereier.

Heiliger Donnerstag (Gründonnerstag)
In einer Handschrift aus dem 10. Jh., die heute im Kloster „Hl. Anastassij“ nahe
Thessaloniki aufbewahrt wird, heißt es: „Der christliche Brauch, bunte Eier zu verteilen,
existierte noch in der Zeit der Heiligen Apostel. Den Anfang setzte Hl. Maria Magdalena. Sie ging nach Rom, zu Kaiser Tiberius. Sie gab ihm ein rotes Ei und sagte: „Christus ist auferstanden!“ Auf diese Art und Weise bekannte sie sich zu ihrem Glauben. Die
Christen folgten ihrem Beispiel. Eine andere Legende erzählt, dass sieben Juden den Tod Christi feierten. Auf der Tafel gab es ein Brathuhn und hart gekochte Eier. Einer der Gäste sagte, dass Jesu in drei Tagen wiederauferstehen wird. Daraufhin antwortete der Hausherr: „Jesu wird erst dann wiederauferstehen, wenn das Brathuhn vom Tisch springt und die Eier rot werden“. Plötzlich sprang das Huhn vom Tisch und die
Eier färbten sich rot.“ Die Bulgaren übernahmen den Brauch der gefärbten Eier von den Slawen in der zweiten Hälfte des 5. Jh., Anfang des 6. Jh. Daher nannte man in Westbulgarien die bunten Eier Peraschki, das ein altes slawisches Wort ist, von dem der Name des slawischen Gottes der Donner Perun abgeleitet wird. Angeblich ist es deshalb zum Brauch geworden, dass die Eier am Donnerstag der Karwoche gefärbt werden. Am Gründonnerstag begann die älteste Frau in der Familie noch bei Sonnenaufgang, die Eier zu färben. Die ersten zwei Eier mussten unbedingt rot sein. Das erste rote Ei legte man unter die Hausikone und im nächsten Jahr musste man es im Feld vergraben. Mit dem zweiten roten Ei berührte sie alle Kinder auf die Stirn, damit sie gesund bleiben. Anschließend versteckte sie es, weil es angeblich magische Kräfte besaß und man mit ihm Tiere und Menschen gesund machen konnte. Früher färbten die Menschen auf dem Lande Eier. In den Städten war es nicht üblich, bunte Eier gemacht zu werden. Eine Ausnahme bildeten die Mönche in den großen bulgarischen Klöstern. Das Färben der Ostereier gehörte zu den Pflichten sowohl der jungen, als auch der älteren Frauen. Eier wurden auch am Heiligen Samstag gefärbt. Wichtig war jedoch, dass das heimlich geschah, damit keine bösen Blicke die Eier verzaubern. Früher war die rote Farbe am meisten verbreitet. Man bekam sie mit Hilfe verschiedener Kräuter. In den Rhodopen kochte man Basilikumsträucher, die am Johannistag des letzten Jahres gepflückt worden sind. Nur sie färbten das Wasser rot. Wieder in den Rhodopen, im Süden Bulgariens, bastelten die Frauen einen Stift aus hohlem Strauch, Wachs und Leim und bemalten damit die gefärbten Eier. Die Motive waren allerlei – Blumen, Sonne, stilisierte Schlangen oder Spinnen, geometrische Formen usw. Es fehlte auch der Ostergruß „Christus ist auferstanden!“ nicht.

Heiliger Freitag (Karfreitag)
Man nennt den Karfreitag auch Kreuzfreitag. Karfreitag war ein großes Fest, niemand durfte arbeiten, denn man glaubte, dadurch die bösen Kräfte zu rufen. In manchen Regionen Bulgariens nahmen am Karfreitag die jungen Mädchen Kohle und schwärzten die bereits gefärbten Eier. Eine Legende erzählt, wie Jesus, als er zur Anhöhe Golgota schritt, eine Wäscherin gebeten hat, ihm etwas Wasser zu geben, damit er seine trockenen Lippen anfeuchtet. Sie gab ihm schmutziges Wasser zu trinken. Er sagte nichts. Später kam er an einem Haus vorbei, wo man gerade Brot backte. Die Bäckerin gab ihm frisches Brot zu essen. Als er dann auf Golgota stieg, rief er: „Verdammt sei die Frau, die wäscht, gesegnet die Frau, die bäckt!“ Deshalb durfte man am Karfreitag nicht waschen, sondern nur Ritualbrote backen. Die Ritualbrote für Ostern waren sehr unterschiedlich – manche waren rund, andere sahen wie Ringe aus oder waren geflochten. Unabhängig der Form setzte man in die Ritualbrote rote Eier ein. Die Ritualbrote für das Osterfest mussten unbedingt von verheirateten Frauen zubereitet werden.

Heiliger Samstag
Diesen Tag nannte man früher auch noch Seelensamstag, denn die Frauen gingen am Heiligen Samstag zum Friedhof. Am Grab der verstorbenen Verwandten ließen sie Rotwein und bunte Eier und zündeten Kerzen an. In vielen Regionen Bulgariens brachte man auch gekochte Weizenkörner und Brot für die Seelen der Toten mit.