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Heute ist ENJOWDEN (Johannistag)
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Heute ist ENJOWDEN (Johannistag)
24.06.2012 09:00:00
Im bulgarischen Folklorekalender ist Johannistag ebenso wichtig, wie Weihnachten, Ostern und Georgstag. Der Johannistag am 24. Juni wird am Geburtstag von Johannes dem Täufer begangen. Im astronomischen Kalender ist es der Tag der sommerlichen Tag- und Nacht-Gleiche.
Dem bulgarischen Volksglauben nach ist der 24. Juni der Tag, an dem die Sonne ihren weitesten Weg zum Sommer zurückgelegt hat. Zu diesem Zeitpunkt würde sie eine Pause einlegen, um sich zu erholen, bevor sie wieder zurück zu ihrem Winterquartier zieht. Aus diesem Grund ginge die Sonne am Johannistag so zeitig auf. Wer zeitig genug aufstehe, um den Sonnenaufgang zu bewundern, könne beobachten, wie die Sonne schwankt, mit zwei Schwertern in der Hand spielt und sich drei Mal im Kreis dreht. Sie schüttelt sich die Tropfen Tau vom Haar, die auf die Erde fallen. Aus diesem Grund betrachtet man den Tau an diesem Tag als besonders gesundheitsspendend. Die Sonne, das Wasser und die Pflanzen sind die drei Kultelemente, die bei verschiedenen Zeremonien am Johannistag gewürdigt werden.
In Südwestbulgarien war es üblich, dass am Johannistag Wallnusszweige und Lavendelblätter gepflückt und nach Hause gebracht werden. Damit schmückte man die Haustür. Nussbaumlaub, Lavendel, Laubkraut und viele andere wildwachsende Gräser und Sträucher haben am Johannistag eine besondere Heilkraft und werden deshalb an diesem Tag gepflückt. Dem Volksglauben nach haben die Pflanzen nur am Johannistag die magische Heilkraft, die gleich am nächsten Tag verloren geht. Am Johannistag haben früher die Mädchen aus den Kräutern und Sträuchern große Kränze gewunden, durch die alle Dorfbewohner kriechen mussten, um gesund und vital zu bleiben. Die Mädchen flechten auch kleine Kränze und banden sie an ihre Ringe an. Ähnlich, wie an anderen Volksfesten im Jahr deuteten sie mit Ring und Blumen ihre Zukunft.
Am Johannistag pflegen die Menschen im äußersten Südosten Bulgariens andere Bräuche. Im Strandscha-Gebirge arbeitete man am Vortag auf dem Feld und die Feier zum Johannistag begann bereits nach der Feldarbeit am Vorabend. Die Mädchen suchten eine unter ihnen aus, die lebende Eltern hat. Dieses ausgewählte Mädchen musste zum Brunnen gehen, um Wasser zu holen. Ihre Freundinnen folgten ihr schweigend. Deswegen heißt das Wasser im Brunnen auch Schweigewasser. In dieses wasser kam dann jeder einzelner Blumenstrauß der Mädchen. Anschließend musste man das Gefäß mit den Blumenkränzen unter einen Baum stellen und die Mädchen gingen nach Hause. Am nächsten Morgen, dem Johannistag also, standen sie früh auf, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Dann gingen sie zum Baum und holten die Blumenkränze aus dem Wasser. Wenn der Kranz in gutem Zustand und frisch war, bedeutete dies Gesundheit und Wohlergehen für das Mädchen. Sollten die Blumen jedoch verwelkt sein, so war das ein schlechtes Omen. Darauf gingen die Mädchen, Kräuter sammeln. Mit einer aus den Kräutern gekochten Flüssigkeit haben sie ihre Haare gewaschen, damit sie hübsch und stark werden.
Unter unterschiedlichen Bezeichnungen, jedoch auf ähnliche Art und Weise findet in verschiedenen Teilen Bulgariens auch ein weiterer Mädchenbrauch statt. Symbolisch wird eine Braut für den Hl. Johannes gewählt, die für ihn zwischen dem irdischen Leben und den Menschen vermittelt. Angenommen wird, dass sie in seinem Namen Prophezeiungen über eine gute oder schlechte Ernte, für Gesundheit oder Krankheiten, über das schöne Wetter oder Naturkatastrophen im Sommer macht. Das war auch das letzte Mädchenritual im Jahr, mit dem die jungen Mädchen ihren Übergang vom Kindesalter zum Erwachsenen feierten. Ein ähnlicher Brauch fand früher in der Umgebung von Plowdiw, in Südbulgarien, statt. Am 24. Juni kam aus jedem Haus im Dorf ein Mädchen, das mit seinen Freundinnen eine Gruppe bildete. Sie zogen durch die Häuser und sangen. Die jungen Frauen hatten ein etwa 7jähriges Mädchen mit sich, das wie eine Braut gekleidet war. Die Volkslieder, die die Mädchen gesungen haben, berichteten meistens von der Schönheit der Auserwählten. Nachdem die Mädchen alle Häuser und den Kirchhof besucht hatten, zogen sie auf eine Wiese. Dort wurde dann der Reigen getanzt, der für Johannistag typisch ist. Am Abend versammelten sich die Mädchen bei der Braut zusammen. Es hieß, ein Mädchen muss drei Jahre hintereinander die Auserwählte sein, um stets gesund zu bleiben. Der geschlossene Kreis beim Reigen am Johannistag wird als ein symbolisches Zeichen für die Sonne angesehen.
In der wissenschaftlichen Dokumentation ist der Johannistag relativ spät erschienen – erst im 19. Jh. Zahlreiche Elemente und Bräuche werden als Überbleibsel eines älteren Kults betrachtet, der der Sonne galt. Durch ihre ständige Evolution wurden alte Bräuche oft an der Kultur der Menschen angepasst. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass die alten Traditionen und Gefühlswelt der alten Bauernfamilien mit typisch städtischen Details aus späterer Zeit zusammenflossen.
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